Sie fragen – Prof. Dr. Gerngross antwortet

Wie setze ich Playway in der Inklusion ein?“

Zu Beginn ein persönliches Beispiel einer Demonstrationsstunde in Niedersachsen. Ich fordere die Kinder zu Beginn auf, sich im Kreis aufzustellen und erzähle ihnen mehrmals die Geschichte The Lake aus Playway 2, die aus 9 Sätzen besteht. Ich verdeutliche den Sinn der Geschichte mit Hilfe von Mimik und Gestik und die Kinder imitieren mich. Dann hören die Kinder die Geschichte nochmals von der CD und zeigen auf die neun Bilder im Buch. Abschließend hören sie die Sätze in ungeordneter Reihenfolge und ordnen die jeweilige Nummer des Satzes dem richtigen Bild zu. Dabei machen die Kinder kaum Fehler, sie haben die Geschichte wirklich verstanden.
Im Anschluss erarbeite ich mit ihnen einen kleinen Dialog, der inhaltlich zur Geschichte passt.
Die Klassenlehrerin und die Schulleiterin waren von der Stunde begeistert, weil den zusehenden Kolleginnen und Kollegen die Kinder mit speziellem Förderbedarf nicht aufgefallen waren.

Nun stellt sich die Frage, wie es gelungen war, diese Kinder einzubinden. Die Antwort:
Wenn die Präsentation und Verarbeitung von Information nicht nur über das Ohr (auditiv), sondern auch über das Auge (visuell) und durch konkretes Tun (kinästhetisch/motorisch) geschieht, dann kann davon ausgegangen werden, dass auch Kinder mit speziellem Förderbedarf motiviert sind, die Fremdsprache aufzunehmen.
Das Lehrwerk Playway macht es der Lehrkraft einfach, multisensorisch zu unterrichten.

Hier einige weitere Beispiele zur Inklusion im Englischunterricht.

Das Aufnehmen und Verarbeiten von neuem Vokabular ist einer der wichtigsten Prozesse im Fremdsprachenunterricht. Bevor ein Lied, ein chant, eine Geschichte, einen Sketch erarbeitet wird, ist zu überlegen, welches Vokabular im Sinne einer Vorentlastung des jeweiligen Textes einzuführen und zu üben ist. Die Vermittlung erfolgt jeweils multi-sensorisch.
Die Kinder hören die Wörter/die Phrasen, die Lehrkraft zeigt die Playway Bildkarten und sie stellt die Wörter auch gestisch/mimisch dar. Zu einem späteren Zeitpunkt sehen die Kinder auch die Playway Wortkarten mit dem jeweiligen Wortbild (ein zweiter visueller Anker).

Das eingangs erwähnte Beispiel ist eine sogenannte “action story” Wenn die Kinder im Anschluss einen zur Geschichte passenden Dialog spielen und dies Kinder mit speziellem Förderbedarf überfordern sollte, dann bietet es sich an, dass die Bilder im Buch kopiert und zerschnitten werden. Die Kinder mit speziellem Förderbedarf ordnen dann die Bilder, während die übrigen Kinder den Dialog einüben und dann aufführen.

Bei Spielen wird es immer wieder vorkommen, dass manchen Kindern eine besondere Unterstützung durch die Lehrkraft zuteilwerden muss.
Ein Beispiel: die Kinder bilden einen großen Kreis. Im Kreis stehen zwei Kinder, deren Augen mit einem Tuch verbunden wurden. Ein Kind sagt:Where are you, Jakob? (Name des anderen Kindes). Jakob antwortet: “Here I am” . Nun versucht der Fragende den Antwortenden zu berühren, während Jakob bemüht ist, dem Fragenden auszuweichen.
Kann sich ein Kind mit speziellem Förderbedarf die Phrase “Where are you?” nicht merken, dann ist es ein Leichtes, sie dem Kind immer wieder einzuflüstern.

Das Lehrwerk Playway bietet viele lustige Geschichten, die mit Hilfe der DVD den Kindern präsentiert werden. Sehr oft wollen die Kinder diese Geschichten nach der Arbeit mit dem Buch auch nachspielen. Wie kann ich in diesem Fall Kinder mit speziellem Förderbedarf einbeziehen? Das kann auf zweierlei Weise geschehen. Einerseits besteht die Möglichkeit, dass solche Kinder nur gestisch-mimisch agieren oder ganz kleine Rollen übernehmen oder dass Rollen doppelt besetzt sind. Das Kind mit speziellem Förderbedarf steht vor einem anderen Kind und stellt gestisch/mimisch dar, was das andere Kind, das die Rolle spricht, ausdrückt.

In Klassen, in denen Inklusion gut funktioniert, arbeiten immer wieder Kinder mit speziellem Förderbedarf mit anderen Kindern zusammen.
Ein Beispiel: Das Kind mit speziellem Förderbedarf hat ein Bild von Max (ein Charakter in Playway) in schwarzweiß vor sich. Nun sagt Kind A seinem Partner/seiner Partnerin, wie er/sie die Kleidung von Max anmalen soll. Dabei wird es vor allem darauf ankommen, dass das Kind, das Anweisungen gibt, freundlich und geduldig ist.

Wenn es im Englischunterricht gelingt, mit Behinderungen bzw. Beeinträchtigungen anderer selbstverständlich umzugehen, dann wird bei allen Kindern Empathie entwickelt und die Motivation eine fremde Sprache zu lernen bei allen Kindern steigen.

Herz­lichst

Prof. Dr. Gerngross

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